The Intersphere

The Intersphere – Hold on, Liberty!

Stellen wir uns vor die Jungs von The Intersphere wären Kuttenträger: Dann prangen auf diesen ausgefransten Jeans-Westen nicht nur Patches mit den Heroen rockiger Gitarrenmusik. Daneben zieren die Brustregion die Konterfeis der Pop-Sterne, am Po hängt ein „I Love Disco“-Aufkleber und oberhalb des Nabels steht riesengroß: Beatmusik aus England. Die Mütze mit Teufelshörnern verträgt sich zudem wunderbar mit einem Sticker mit der Aufschrift Prog. An den Hosenbeinen herunter schlängelt sich ein verwaschener Patch mit dem Slogan „Ambient“. Doch The Intersphere sind mehr als ein Mash-Up einzelner Stile.

 

Die Band ist 2012 das Ergebnis einer sechsjährigen Reifeperiode, die von über 350 Liveshows und der Suche nach der idealen Mischung aus Energie, Schöngeist und komplexer Songdienlichkeit durchzogen ist. Vom juvenil-ungezügelten Debüt zum atmosphärisch-dichten Zweitwerk, vom Jugendzentrum zu Rock am Ring. Vorläufige Höhepunkte: 2011 als Support der Alternative-Progger Karnivool und als Headliner auf der „Complexity Is Dead“-Tour.

 

Die Horus-Studios in Hannover dienen als perfekte Umgebung um die Platte einzuspielen und zu produzieren. Dabei nageln die vier Musiker innerhalb von 7 Tagen das Album erstmals komplett live aufs Band und verzichten auf Schönheitskorrekturen, um die Rohheit und Energie ihrer Liveauftritte adäquat einzufangen. Um das Klangspektrum zu erweitern, experimentiert man auch mit anderen Instrumenten. Dennoch verzichten die Jungs auf Dosensounds und schicken die alten, klapprigen Rhodes und Pianos, die eingespielten Streicher und die natürlichen Hallräume durch allerlei Verstärker und Soundmodulatoren. In letzter Konsequenz wurde die Platte von Arne Neurand gemischt und von Alan Douches (u.a. Converge, Thrice, Mastodon) gemastered.

 

The Intersphere wirken auf vielschichtigen Ebenen. Die Musik verkörpert nicht Hass oder Liebe, sondern vermittelt authentisch, dass eines ohne das andere nicht existiert. „Parallel lines“ vereint 50 Jahre Rock-Historie: Mit viel Raum zum atmen, detailreichen Arrangements und kristallinen Gesangslinien driftet die Musik – vergleichbar der Drogen geschwängerten, orchestralen Überleitung im Beatles-Klassiker „A Day In The Life“ – über eine spacige Klangkollage in einen von Streichern und Akustik-Gitarren geprägten Wachtraum.

 

Das Ziel ist klar gesteckt: Songs zu schreiben, die hängenbleiben. Melodien zu kreieren, die in Refrains aufgehen, die eingängig sind und Schönheit verbreiten. Melodien, die eine Sogwirkung entfachen, die Dich in die vielschichtigen Wirkungsebenen von Text und Musik ziehen. Denn neben viel Zucker, gibt es mannigfach Haken und Dresche. „Sleeping God“ türmt sich zu einem groovigen Riff-Monstrum auf, dass brachial-karthatische Streicheleinheiten verteilt und den Hörer garantiert mit Nackenschmerzen und einem wohligen Schauer versorgt.

 

Die Freiheit, um die die Band heute ringt und mit dem Albumtitel ein Statement hinterlässt, ist heutzutage zwischen gesellschaftspolitischen Bestrebungen und zweifelhaftem Revoluzzertum zu einer inflationär gebrauchten Worthülse verkommen. Inmitten von Zwängen, Diktaten und Gesetzen einen Platz zu finden, eine Insel von Scheinfreiheit zu kreieren, einen Mantel um die grassierende Unsicherheit zu legen, das sind die Themen, die Christoph in sein Notizbüchlein kritzelt und in Texten konserviert.

 

Bemerkenswert ist die einem Gesamtkunstwerk gleichkommende Einheit von Musik und Lyrics. „Capitall“ katapultiert Dich, von einem musikalischen Stakkato-Gehämmer als Startrampe ausgehend mit Hyperantrieb in die Schwerelosigkeit. Ein Hybrid zwischen Rock und Pop. Der Schwerelosigkeit folgt der freie Fall. Dem Schlag in die Magengrube folgt die Ausschüttung von Endorphinen. Eine treffende Umsetzung des kapitalistischen „Höher, Schneller, Weiter“-Denkens, das mit fast beängstigender Zwangsläufigkeit zum Kollaps führt.

 

The Intersphere klingen 2012 musikalisch gebündelter denn je. Das Kollektiv wirkt wie ein Prisma. Die Musik trifft auf die Ohren, bricht dort Bahn und löst wahre synästhetische Begeisterungsstürme aus. „Masquerade“ dürfte in Zukunft mit seiner melodiösen Unmittelbarkeit mühelos die großen Stadien füllen. Doch The Intersphere sind keine Hipster. Hinter der Fassade verbirgt sich ein klangliches Multiversum. Die Klassikerwirkung entfacht die Band mit einer Subtilität, die vergleichbaren Acts wie Muse, Dredg, Thrice oder Incubus in nichts nachsteht.

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